Stadtspaziergänge in Harburg

Im Laufe der nunmehr vier Jahre, die wir bereits hier wohnen, hat sich unser Harburg wirklich als einer der überraschendsten und abwechslungsreichsten Bezirke Hamburgs präsentiert. Ja, es gibt die schmuddeligen Ecken. Ja, es gibt viel Verkehr und unzählige, riesige Ausfallstraßen. Ja, es gibt viel Leerstand, gerade in der Innenstadt. Aber es gibt auch so viele wunderschöne Ecken wie den Außenmühlenteich und zwischen all dem Schmuddel eben auch immer wieder kleine Perlen, wie zum Beispiel die urige Lämmertwiete. Oder es tauchen auf einmal alte Reetdachhäuser nebst riesigen Feldern auf, so dass man meinen könnte, man sei plötzlich auf dem Dorf – ein paar Straßen weiter dann wieder Highlife und Konfetti.

All das haben wurde uns vor allem auf unseren Spaziergängen durch den Bezirk bewusst. Mal zu Fuß, mal mit dem Rad, mal mit konkretem Ziel, mal planlos einfach drauf los. Unsere Top 3 findet Ihr in diesem Beitrag – wir empfehlen aber auch ausdrücklich mal vom Weg abzukommen! Nur so entdeckt ihr Hamburgs südlichsten Bezirk mit all seinen schönen und teils auch kuriosen Seiten. Alle Touren starten dabei am Harburger Bahnhof. Und bitte denkt daran: Nicht der erste Eindruck ist das, was zählt!

Harburg für Anfänger (Außenmühle und Binnenhafen, ca. 9 km)

Je nachdem ob Ihr zuerst auf Natur oder auf Architektur Lust habt, startet Eure Erkundungstour im Hamburger Süden in eine andere Richtung. Weil es direkt bei uns um die Ecke liegt, starten wir heute an der Außenmühle. Vom Harburger Bahnhof geht Ihr, vorbei an Conti, unter der Autobahnbrücke hindurch in Richtung Außenmühle/Stadtpark. Bereits unter der Brücke, direkt hinter der Stonehenge-artigen „Kunst“, beginnt ein kleiner Kanal. Dem folgt Ihr und schon seid Ihr da. Die dystopische Autobahnbrücke ist schnell vergessen beim wirklich überraschenden Anblick des Außenmühlenteichs.

Blick auf die Harburger Außenmühle

Blick auf die Harburger Außenmühle

Der Weg um den See ist circa drei Kilometer lang und sehr abwechslungsreich. Starten könnt ihr beim Restaurant Bootshaus mit einer riesigen Tüte Pommes, die Ihr entweder beim Tretboot fahren oder in der Outdoor Gym gleich wieder abtrainieren könnt. Auf der anderen Seeseite führen mehrere Wege immer wieder hoch in den Stadtpark.

Nach der Umrundung geht es in Richtung alter Friedhof. Den durchquert Ihr entweder der Länge nach in Richtung Innenstadt oder Ihr macht einen kurzen Abstecher zur türkischen Bäckerei Nida und deckt Euch mit Lahmacun und Simits ein. Nicht sonderlich schön, aber immerhin, liegt nun die Harburger Innenstadt vor Euch. Vorbei am Rathaus oder durch die immer belebte Fußgängerzone Lüneburger Straße kommt Ihr zur Hölertwiete. Hier kann man in den zwei schönsten Geschäften Harburgs – dem Weltladen und der Buchhandlung am Sand – einen kurzen Shopping-Stopp einlegen. Den letzten Rest Altstadt könnt Ihr in dann in der Restaurantmeile Lämmertwiete bestaunen.

Blick auf den Harburger Binnenhafen

Im Harburger Binnenhafen

Dort kommt Ihr durch die Unterführung auch gleich in den neusten Stadtteil: den Binnenhafen. Moderne und beeindruckende Architektur gibt es hier zu sehen und auf der Schloßinsel sogar Häuser mit Bootsgarage! Rund um den Kanalplatz findet Ihr einige Restaurants, die Ihr auch in unserem Harburger Gastro-Guide wiederfindet. Über die Fußgängerbrücke beim Schellerdamm kommt Ihr dann wieder zurück in die Innenstadt und zur Haltestelle Harburg Rathaus.

Natur pur und Action (Kuhwiesen im Moor und Baggerteich Neuland, ca. 10 km)

Ab in die Natur, Ihr elenden Stadtkinder! Wir starten wieder vom Harburger Bahnhof und überqueren die Schienen auf der Schlachthofbrücke. Dann gleich rechts und immer geradeaus. Schnell ändert sich die Gegend von Gewerbegebiet zu Wohngebiet (Kanzlershof), um dann in weitem Feld zu enden. Bereits in Kanzlershof fließt neben Euch, heimlich still und leise, der Seevekanal. Dem folgt Ihr bis Ihr linker Hand schon die Kuhwiesen seht. Unsere Runde führt uns immer links in den Wagenwerkweg hinein und wieder links über Giebelortsdamm – beides im Grunde Feldwege – einmal um die Wiesen .

[Extrameilen bekommt Ihr zusammen, wenn Ihr an dieser Stelle ein kleines Stück nach rechts und dann links über die Autobahnbrücke in Richtung Kleinmoor lauft. Nach diesem kleinen Umweg müsst Ihr dann jedoch gleich wieder auf der Straße Großmoordamm unter der Autobahn wieder hindurch, um auch zum Neuländer See zu kommen.]

Kuhwiesen bei Harburg

Kuhwiesen bei Harburg

Links unter dem Bahndamm wieder nach Kanzlershof, laufen wir dann (fast) den Weg wieder zurück, den wir gekommen sind. Nach Kanzlershof biegen wir dann jedoch nach rechts in die Kleingartenanlage ab. Und dann ist er schon da: Auf der anderen Seite der Straße Großmoordamm kommt ziemlich versteckt der Neuländer See zum Vorschein. Über einen unscheinbaren Trampelpfad (allerdings ausgeschildert) kommt ihr zunächst zur Wakeboardanlage. Auf der hübschen Terrasse des Restaurants Eisvogel lohnt es sich Platz zu nehmen und den Wakeboardern beim Fahren zuzusehen. Wenn Ihr den Weg um den See weiter lauft kommt Ihr noch zu einem kleinen Badestrand. Zurück zum Bahnhof sind es dann noch 2 ½ Kilometer. Ihr könnt im Gewerbegebiet Großmoorbogen allerdings auch einfach den Bus zum Harburger Bahnhof nehmen.

Überraschendes Harburg (Zu Fuß zum Kiekeberg, ca. 9 km)

Als wir diesen Weg zum ersten Mal gegangen sind waren wir wirklich mehr als überrascht. Denn obwohl Harburg auf den ersten Blick wirklich nicht sehr ansehnlich ist, birgt der zweite Blick tatsächlich einiges Schöne. Vom Bahnhof geht es in Richtung Außenmühlenteich, vorbei an einem der Negativ-Highlights: Der Autobahnbrücke. Jetzt kann es ja nur noch besser werden. Und tatsächlich, habt Ihr die Brücke hinter Euch gelassen, geht es, auf Seiten des Restaurants Leuchturm (sieht schick aus, ist aber nicht empfehlenswert), zunächst immer entlang des Außenmühlenteichs und auch noch vorbei am hinteren, zweiten Teil des Sees.

Bald trefft Ihr auf den Schulteichgraben, dem Ihr weiter durchs Grüne folgt, bis Ihr auf den Marmstorfer Weg kommt. Den kreuzt Ihr und kommt in den Handweg und dann gleich links in den Feuerteichweg. Entlang des holprigen Kopfsteinpflasters stehen hier ein paar tolle Reethäuser. Zusammen mit dem putzigen Schulteich wirkt alles fast schon übertrieben pittoresk. Kaum zu glauben, dass auch das Harburg ist! Jetzt geht es ein ganzes Stück den Appelbütteler Weg entlang. Ihr kommt an Feldern vorbei, rechter Hand erscheint ein Waldstück und irgendwann gelangt Ihr wieder in Wohngebiet. Wenn Ihr Euch den Anstieg hoch gekämpft habt, trefft Ihr auf die Bremer Straße. Diese kreuzt Ihr geht direkt gegenüber in den Vahrendorfer Stadtweg hinein. Nach dem Waldkindergarten überquert Ihr die A7 und biegt am Ende des Weges nach rechts ab.

Dieser Straße folgt Ihr. Kaum seid Ihr aus dem Wald raus, breiten sich die sanften Hügel aus. Felder, Wiesen und die Plantagen der schnieken Gärtnerei von Ehren liegen vor Euch. Entlang der Appelbütteler Straße kommt ihr auf einen Kreisverkehr und dann habt ihr das Ziel Kiekeberg auch schon erreicht. Das Freilichtmuseum selbst ist ganz sehenswert, vor allem wenn Pflanzen- oder Kunsthandwerkermarkt ist, aber im Grunde doch vor allem interessant wenn man mit Kind unterwegs ist. Die Kopfsteinpflasterstraße Zum Kiekeberg führt Euch dann widerum zum Gasthaus zum Kiekeberg (wirklich sehr abwechslungsreiche Namensgebung). Das Gasthaus ist zwar sehr traditionell, aber von der Terrasse hat man einen tollen Blick in Richtung Hamburg und die Snacks sind auch gut. Zurück geht es dann mit dem Bus, der direkt vor dem Museumseingang abfährt. Achtung: Checkt vorher unbedingt den Fahrplan, da die Busse hier nicht all zu oft verkehren!

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.